Der Traumjob in den Medien und was die Vorstellung mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Der Traumjob in den Medien

Ich habe meine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton im Jahr 1999 begonnen und 2002 abgeschlossen.

Damals war noch vieles anders als Heute. Und nein. Es war nicht vieles besser damals. Heute ist vieles besser.

Trotzdem möchte ich einen kritischen Blick auf die Entwicklungen in den Medien Berufen werfen. Von vielen Berufsanfängern wird die Arbeit in den Medien oft durch die rosa Brille gesehen.

Diese Brille habe ich bereits seit langem abgesetzt. Das bedeutet nicht, dass ich meinen Beruf nicht mehr liebe. Ganz im Gegenteil. Es gibt keinen Tag, an dem ich mich nicht darauf freue, Medien zu gestalten.

Die Möglichkeiten sind sogar viel besser als früher. Wir sind freier und unabhängiger geworden in der Veröffentlichung eigener Arbeiten.

Die Arbeitsbedingungen in den Medien in Deutschland als Freiberuflicher Medienschaffender sind oftmals als nicht sehr angenehm zu betrachten.

Das hat jedoch am wenigsten mit dem Beruf an sich zu tun. Ich muss zugeben, der rauhe Umgangston, sowie die Ansiedlung von ungelernten Quereinsteigern, hat mich dazu bewogen, mich aus vielen Bereichen zurückzuziehen.

Egal ob ich bei freien TV Produktionen als Kamera Assistent tätig war, als Beleuchter bei Filmprojekten oder an der Studiokamera stand. Es wurde immer üblicher, dass Quereinsteiger, also Personen aus anderen Berufen, die für den Job angelernt wurden, die ausgebildeten Medienleute zahlenmäßig übertrafen.

Das allein war jedoch nicht das Problem.

Oft brachten diese Mitarbeiter, die zwar handwerklich wenig drauf hatten, dafür enorm fügsam waren, einen Ton und ein Niveau mit ans Set, welches ein ganzes Produktionsumfeld in den Keller ziehen konnte.

Habe ich selbst im Beruf eine gewisse Souveränität in meiner Arbeit gelernt und erworben, meinten viele Mitarbeiter, die weniger konnten und wussten, dieses Defizit durch eine besonders große Klappe und einen rauhen Umgangston auszugleichen.

So kam für mich über kurz oder lang die Entscheidung, mich von einem Arbeitsumfeld zu trennen, in dem ich mich und meinen Berufsstand nicht mehr wiederfinden konnte.

Besonders im freien Fernsehbereich zählte weniger eine Ausbildung oder persönliches Wesen. Vielmehr konnten sich in diesem, eigentlich spannenden und attraktiven Arbeitsmarkt solche Leute ansiedeln, die zwar wenig konnten, aber dafür aggressiv genug waren, den Job für sich zu behaupten.

Auf der anderen Seite wurde dann oft erwartet, sich in Tagelöhnermanier seinem Auftraggeber unterzuordnen. Für einen ausgebildeten Mediengestalter, der als Freiberufler sein Brot verdient war dies nicht zu erwarten.

Ich habe nicht die Berufsform des Selbstständigen gewählt um mich in einem Ton anreden zu lassen, der bei Regalauffüllern üblich ist.

Für viele Quereinsteiger, die vielleicht vorher in so einer Art Tätigkeit beschäftigt waren, war dies der üblich Umgangston und sie fühlten sich so dann wie zu Hause.

Ich bin seit 1999 in den Medien tätig. Es hat sich vieles verändert. Vieles ist besser geworden.

Aber meine Erfahrung ist, dass sich am Markt oft nicht die besser ausgebildeten, denkenden und freieren Medienschaffenden durchsetzen.

Die Medienlandschaft die ich kenne ist bevölkert von Personen, die

sich nicht zu schade sind um jeden Preis unterzuordnen
zu ducken
einen rohen Umgangston haben
oft keine Ausbildung in diesem Beruf haben
sich mit Leuten gut verstehen, die so sind, wie Punkt 1.-4.

Ich habe mich aus dieser Art zu arbeiten zurückgezogen und baue mir ein Einkommen aus eigenen Projekten auf.

Es fiel mir nicht schwer, mich aus der Zusammenarbeit mit Produktionsfirmen zu verabschieden. Es stellte nur einen sehr geringen Verlust dar. Wenn man sich die Ergebnisse im Deutschen Fernsehen anschaut, dann kann man oft nur mit dem Kopf schütteln.

Es wäre eine andere Medienlandschaft möglich gewesen, aber es haben sich andere durchgesetzt.

Ich bin glücklich mit meinen neuen Aussichten und Möglichkeiten, die sich mir bieten.

Trotzdem weiss ich, was von einer Karriere in den Medien zu halten ist.

Jeder, der auf lange Sich in den Medien, gerne Arbeiten möchte, sollte seine Arbeitskraft in die Produktion eigener Projekte investieren, die man dann über mehrere Jahre monetarisieren kann.

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